OpenClaw: Der AI-Agent, der nachts fuer dich arbeitet – und warum du trotzdem aufpassen musst
Ein Agent hat ueber Nacht vier Features gebaut. Der Entwickler hat geschlafen.
Kein Clickbait. Kein Konzept. Realitaet.
@JohnParadise17 auf X: Er definiert abends, was sein Elektro-Panelboard-Quoting-Agent koennen soll. Morgens sind vier neue Features implementiert. Er hat nichts davon selbst geschrieben.
@AlexFinn geht noch weiter: Sein Agent liest nachts Reddit-Trends, entscheidet eigenstaendig, welche App-Ideen vielversprechend sind, und baut sie autonom auf seinem Mac Studio. Morgens liegen fertige Prototypen bereit.
Das Tool dahinter heisst OpenClaw. Und es ist gerade das am schnellsten wachsende Open-Source-Projekt aller Zeiten.
Was OpenClaw ist – und was es nicht ist
OpenClaw ist kein Chatbot. Es ist kein besseres ChatGPT. Es ist ein autonomer Agent, der auf deinem eigenen Rechner oder Server laeuft und Dinge tut.
Shell-Befehle ausfuehren. Browser steuern. E-Mails senden. Dateien verwalten. Termine pruefen. Code schreiben. Recherchieren. Verhandeln. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.
Du kommunizierst mit ihm ueber WhatsApp, Telegram, Slack, Discord oder Signal – die Apps, die du sowieso schon nutzt. Kein neues Dashboard. Keine neue Oberflaeche. Du schreibst deinem Agent eine Nachricht wie einem Kollegen.
Erstellt von Peter Steinberger, dem Gruender von PSPDFKit. Selbst mit Vibe Coding gebaut – Steinberger hat die Richtung vorgegeben, KI hat den Code geschrieben. 150.000 GitHub Stars in unter einer Woche. Mittlerweile ist Steinberger zu OpenAI gewechselt. OpenClaw bleibt Open Source.
Die Architektur dahinter: Ein Node.js-Gateway laeuft als Daemon auf deinem System. Ein Heartbeat-System wacht alle 30 Minuten auf und prueft, ob es etwas zu tun gibt. Cron Jobs starten Tasks zu festgelegten Zeiten. 5.700+ Community-Skills auf ClawHub erweitern die Faehigkeiten. Alles lokal, alles unter deiner Kontrolle.
Zumindest in der Theorie. Dazu spaeter mehr.
Warum das mehr ist als ein Hype
Normalerweise ignorieren wir bei Squills neue Tools. Es gibt jede Woche zehn neue AI-Wrappers, die nichts veraendern.
OpenClaw ist anders. Aus einem einfachen Grund: Es loest ein Problem, das wir selbst kennen.
Wir sind zwei Personen. Wir bauen AI-Produkte, beraten Produktteams, erstellen Kurse. Wir haben keinen Mitarbeiter. Und trotzdem muessen Support-Anfragen beantwortet, Wettbewerber beobachtet, KPIs getrackt, Content erstellt und Produkte ausgeliefert werden.
OpenClaw ist das erste Tool, das nicht nur hilft, sondern eigenstaendig handelt. Nicht reaktiv. Proaktiv. Nicht auf Knopfdruck. Im Hintergrund, rund um die Uhr.
Das unterscheidet es fundamental von Zapier oder n8n. Die warten auf Trigger. OpenClaw versteht Kontext und trifft Entscheidungen.
Was echte Nutzer damit machen
Keine Konzepte. Keine Demos. Echte Menschen, echte Workflows, dokumentiert auf X und GitHub.
Fuer Produktteams
Competitive Intelligence auf Autopilot. @BretJutras betreibt ein "COO Agent"-System: Jeden Morgen erhaelt er per Slack eine Analyse der Wettbewerbslandschaft, LinkedIn-Content-Vorschlaege, und Alerts zu neuen Konkurrenz-Features. Kein manuelles Googeln mehr. Kein woechentliches "Hat sich bei Konkurrent X was getan?" Stattdessen: ein taeglicher Digest, bevor das Standup beginnt.
KPI-Reports, die sich selbst schreiben. @chrysb hat einen "AI Chief of Staff" konfiguriert: Morning Briefings, Spending Tracking, Team Slack Updates. Naechtliche Selbst-Reflexion des Agents, die morgens als Zusammenfassung bereitsteht. @jsundlo laesst OpenClaw Meeting-Transkripte reviewen und am Vorabend automatisch PowerPoints erstellen.
Sprint Intelligence. @dziemid nutzt OpenClaw als "Scrum Master for Solo Founders" mit Trello-Integration. Der Agent fixt Bugs aus Stack Traces und Build Logs. @eouaooo berichtet, dass sein Agent 14 unnoetige Meeting-Einladungen automatisch abgelehnt hat.
Production Incident Management. @anayatkhan09: Der Agent tailt Logs, triagt Alerts, schlaegt Rollbacks vor und postet Zusammenfassungen mit Feature-Flag- und On-Call-Kontext. Nicht als Spielerei – als Teil des Produktions-Workflows.
Multi-Agent Orchestrierung. @LarryGraham01 betreibt einen OpenClaw-Orchestrator, der Sub-Agents fuer QA, Copywriting, Research und Coding spawned. Der automatisierte Flow geht von App Store Connect ueber Gmail und Notion bis zum GitHub PR. @mesetatron steuert ein komplettes Kubernetes-Cluster via Slack: Asset-Uploads, Lore-Datenbank, Skill Trees.
Ein 36-Stunden-Produktbau? @jlehman_ hat "Pagedrop" komplett per Telegram bauen lassen: Architektur, Domain, Infrastruktur, Landing Page, OAuth, Payments.
Das klingt nach der Zukunft. Aber es passiert jetzt.
Fuer Einzelpersonen, die neben dem Job ein AI-Business aufbauen
Hier wird es fuer uns besonders relevant. Denn genau das ist die Reise, die wir mit unserem "For Professionals"-Programm begleiten: In 12 Monaten vom Angestellten zum digitalen Unternehmer. Neben dem Job. Unter 10 Stunden pro Woche.
OpenClaw ist dabei kein Ersatz fuer die Strategie. Aber es ist ein Multiplikator fuer die Ausfuehrung.
Phase 1: Im Job sichtbar besser werden.
E-Mail-Triage: OpenClaw liest jede E-Mail, kategorisiert nach Dringlichkeit, entwirft Antworten in deinem Stil. @eouaooo spart damit den Grossteil seiner E-Mail-Zeit. @BadBrainCode hat 14 GB Work-E-Mails in einer verschluesselten SQLite-Datenbank indexiert und stellt jetzt natuerlichsprachliche Queries: "Welche Budgetfreigaben stehen noch aus?"
Meeting-Vorbereitung: @AI_Nate_SA schickt per WhatsApp einen Firmennamen. Der Agent browst aktuelle News, durchsucht seinen Obsidian Vault nach frueheren Kontakten, und liefert ein vollstaendiges Briefing. Morgens um 7, automatisch, fuer alle Meetings des Tages.
Daily Briefing: @mbogoroch18 erhaelt jeden Morgen per WhatsApp: Tech News, Customer Talking Points, Meeting- und Deal-Vorbereitung. Ein Briefing statt fuenf verschiedene Dashboards.
Persoenliches Wissensmanagement: @centralizedmrc ueber seine Obsidian-Integration: "Ich oeffne Obsidian gar nicht mehr." Alles per Sprachnotiz rein, automatisch indexiert, spaeter per natuerlicher Sprache abrufbar.
Das Ergebnis: 30-40% mehr Kapazitaet im Hauptjob. Nicht durch haerter arbeiten. Durch intelligenter delegieren.
Phase 2: Wissen in digitale Assets verwandeln.
Content-Factory: @Govikavaturi verwaltet 4 X-Accounts, LinkedIn Posts und YouTube Shorts ueber einen Mac Mini. @easyclaw_ai berichtet, dass "60% des Postings agent-managed" laeuft. Content-Marketing neben dem Vollzeitjob wird moeglich, weil der Agent die Ausfuehrung uebernimmt.
Marktvalidierung im Schlaf: @emillyhumphress laesst ihren Agent nachts recherchieren. Morgens liegen Projekt- und Content-Ideen bereit. @VincentChan nutzt den Flow von Brain-Dump nach Linear, ueber Nacht erstellt der Agent vollstaendige Reports in Obsidian.
Audience Building: @BretJutras' Agent generiert taeglich LinkedIn-Winkel und X-Vorschlaege. Von 5 Stunden pro Woche auf 1 Stunde – nur noch Review und Approval.
Phase 3: Das Business starten und betreiben.
Kundensupport: WhatsApp ist der meistinstallierte Skill auf ClawHub mit ueber 5.000 aktiven Installationen. @glass_bit nutzt tonbasierte Auto-Replies. @gustavozilles laesst seinen Agent autonom Reparaturangebote per WhatsApp verhandeln.
Lead Generation: @krishlogy betreibt "24/7 Sales Outreach" – Daten vorbereiten, recherchieren, E-Mails schreiben, senden, Replies flaggen. @ericosiu hat damit ein Speaking Engagement gelandet.
Agent-Run Business: @davidtoniolo hat ein SaaS-Business, das ein Agent baut und betreibt. 5 zahlende Teilnehmer, ~550 Dollar Monatsumsatz. Der Agent als Mitgruender.
Und das Killer-Feature: Naechtlicher Produktbau. @ashar_builds, @AlexFinn, @Kalici_Luna – sie alle lassen ihre Agents nachts arbeiten. Features bauen, Code reviewen, Content erstellen. Wenn der Agent nachts 8 Stunden arbeitet, werden aus 10 Stunden pro Woche effektiv 30-40 Stunden Output.
Jetzt kommt das Aber. Und es ist gross.
Und hier muessen wir ehrlich sein. Denn die meisten OpenClaw-Artikel im Netz lesen sich wie Werbung. Wir schreiben keinen Werbe-Artikel.
Du gibst einem AI-Agent Zugang zu deiner gesamten Infrastruktur.
Lies diesen Satz nochmal.
OpenClaw liest deine E-Mails. Greift auf deine Dateien zu. Fuehrt Shell-Befehle auf deinem System aus. Steuert deinen Browser. Sendet Nachrichten in deinem Namen. Hat Zugriff auf deine API-Keys, deine Datenbanken, deine Credentials.
Das ist der Grund, warum es so maechtig ist. Und genau deshalb ist es so riskant.
CrowdStrike warnt ausdruecklich vor den Sicherheitsrisiken autonomer AI-Agents wie OpenClaw. Bitsight hat ueber 30.000 exponierte OpenClaw-Instanzen im offenen Internet gefunden – Agents, die ohne ausreichenden Schutz laufen und von aussen erreichbar sind.
Was das konkret bedeutet:
1. Ein falsch konfigurierter Agent kann dein Business zerstoeren. Stell dir vor, dein Agent interpretiert eine E-Mail falsch und sendet eine Antwort an deinen wichtigsten Kunden, die nicht haette rausgehen duerfen. Oder er loescht Dateien, weil er einen Cleanup-Befehl anders interpretiert als du gemeint hast. Oder er committed Code in Production, der einen Ausfall verursacht. Das sind keine hypothetischen Szenarien. Das ist die Konsequenz von Systemzugriff plus nicht-deterministischem Verhalten.
2. Deine Daten sind nur so sicher wie deine Konfiguration. OpenClaw laeuft lokal – das ist gut. Aber es kommuniziert mit LLM-APIs von OpenAI, Anthropic oder anderen Anbietern. Jede Nachricht, jede E-Mail, jeder Dateiinhalt, den der Agent verarbeitet, wird an diese APIs gesendet. Deine Kundendaten, deine internen Dokumente, deine Geschaeftszahlen. Lokal gehosted heisst nicht, dass deine Daten lokal bleiben.
3. Community-Skills sind ein Angriffsvektor. 5.700 Skills auf ClawHub klingt beeindruckend. Aber jeder Skill ist Code, den jemand anderes geschrieben hat und der auf deinem System mit vollen Rechten laeuft. Ja, es gibt eine VirusTotal-Partnerschaft. Aber das ist Malware-Scanning, kein Code-Audit. Ein Skill, der "harmlos" aussieht, kann im Hintergrund Daten exfiltrieren. Installiere niemals blind Skills, nur weil sie auf ClawHub stehen.
4. Autonomie plus Fehler gleich Katastrophe. Das Heartbeat-System und Cron Jobs bedeuten, dass der Agent auch handelt, wenn du nicht hinschaust. Um 3 Uhr morgens. Am Wochenende. Im Urlaub. Wenn ein Agent einen Fehler macht waehrend du zuschaust, kannst du eingreifen. Wenn er einen Fehler macht waehrend du schlaefst, merkst du es erst am Morgen. Bei irreversiblen Aktionen – E-Mails senden, Daten loeschen, Code deployen – kann das zu spaet sein.
5. Fuer regulierte Branchen ist das ein No-Go. Compliance, Audit-Trails, Nachvollziehbarkeit – all das ist mit einem nicht-deterministischen Agent, der eigenstaendig Entscheidungen trifft, nur schwer bis gar nicht umsetzbar. Wenn dein Unternehmen in der Finanz-, Gesundheits- oder Rechtsbranche arbeitet, ist OpenClaw ohne massive Absicherung nicht einsetzbar.
Was du tun solltest, wenn du es trotzdem nutzt
Weil – und das ist der Punkt – die Vorteile real sind. Die Frage ist nicht ob, sondern wie.
Human-in-the-Loop fuer alles Irreversible. E-Mails senden, Nachrichten posten, Code deployen, Daten loeschen – niemals autonom. Der Agent draftet, du genehmigst. Immer. Ohne Ausnahme.
Minimale Rechte. Gib dem Agent nur Zugriff auf das, was er braucht. Nicht dein gesamtes Dateisystem. Nicht alle API-Keys. Nicht alle E-Mail-Accounts. Erstelle dedizierte Accounts und API-Keys mit eingeschraenkten Berechtigungen.
Isolierte Umgebung. Lasse OpenClaw in einer VM, einem Container oder auf einem dedizierten VPS laufen. Nicht auf deinem Hauptrechner mit allen Credentials. Trenne Produktionsumgebung und Agent-Umgebung.
Skills pruefen. Jeden Skill vor der Installation lesen. VirusTotal-Report checken. Im Zweifelsfall den Skill nicht installieren. Die Bequemlichkeit einer One-Click-Installation ist die Sicherheit nicht wert.
Monitoring. Richte Alerts ein fuer unerwartetes Verhalten. Logge alle Agent-Aktionen. Pruefe regelmaessig, was der Agent tatsaechlich tut – nicht nur, was er tun sollte.
OpenClaw vs. Zapier vs. n8n – die ehrliche Einordnung
Die naheliegende Frage: Warum nicht einfach Zapier oder n8n nutzen?
Zapier und n8n sind regelbasiert. Wenn X passiert, dann tue Y. Klare Logik, vorhersagbares Verhalten, kein Risiko unerwarteter Entscheidungen. Dafuer: kein Kontextverstaendnis, keine Urteilsfaehigkeit, keine Proaktivitaet.
OpenClaw versteht Kontext und trifft Urteile. Es entscheidet eigenstaendig, ob eine E-Mail dringend ist. Es formuliert Antworten passend zum Kontext. Es erkennt, dass ein Wettbewerber ein neues Feature gelauncht hat, ohne dass du ihm gesagt hast, wonach er suchen soll.
Aber genau diese Staerke ist auch die Schwaeche: Weil es Urteile trifft, kann es falsche Urteile treffen. Zapier macht genau das, was du konfigurierst. Nicht mehr, nicht weniger. OpenClaw macht das, was es fuer richtig haelt. Meistens stimmt das. Manchmal nicht.
Unsere Empfehlung: Zapier/n8n fuer alles, was deterministisch sein muss. OpenClaw fuer alles, was Urteilsfaehigkeit erfordert – mit Human-in-the-Loop.
Was das fuer uns bei Squills bedeutet
Wir testen OpenClaw aktiv. Fuer genau die Use Cases, die wir oben beschrieben haben: Competitive Intelligence, Content-Ideen, Feedback-Analyse, Meeting-Vorbereitung.
Aber wir tun es mit den Leitplanken, die wir fuer richtig halten. Kein autonomes E-Mail-Versenden. Kein Zugriff auf Produktionssysteme. Dedizierte API-Keys mit minimalen Rechten. Und immer mit der Haltung: Der Agent draftet, wir entscheiden.
Das passt zu unserer Philosophie: Ship First, Perfect Later. Aber ship responsibly.
OpenClaw ist ein Werkzeug. Ein maechtigeres als die meisten, die wir bisher gesehen haben. Aber ein Werkzeug ohne klare Regeln ist eine Waffe. Und wer diesen Unterschied nicht versteht, hat ein groesseres Problem als fehlende Automatisierung.
Dieser Artikel erscheint auf dem Squills-Blog. Squills baut KI-gesteuerte Produkte und hilft Teams, schneller mit KI zu arbeiten. Fuer Produktteams: Workshop anfragen. Fuer Professionals, die neben dem Job ein AI-Business aufbauen wollen: Mehr erfahren.